Silke Kierspel
Systemisch.
Suchtberatung
Wichtiger Hinweis: Die systemische Einzelsuchtberatung ist eine hervorragende Begleitung und Unterstützung, ersetzt aber bei einer körperlichen Abhängigkeit keinen medizinisch begleiteten Entzug oder eine klinische Therapie.
Sie ist kann jedoch der entscheidende Schlüssel sein, um die psychischen Ursachen und die sozialen Folgen dauerhaft zu verändern.
Funktion der Sucht: Wofür ist das gut?
Anstatt zu fragen: "Warum trinkst/nimmst du das?", fragen wir im systemischen Kontext: "Wobei hilft es dir?"
- Regulierung: Hilft das Suchtmittel gegen Einsamkeit, Leistungsdruck, soziale Ängste oder zur Entspannung nach dem Stress?
- Die positive Absicht: Wir erkennen an, dass die Sucht ursprünglich einen Zweck erfüllte, wie z. B. das Abschalten von quälenden Gedanken. Die Beratung setzt dort an, diesen Zweck auf andere Weise zu erfüllen.
Soziales System und Co-Abhängigkeit
Sucht findet nie im luftleeren Raum statt. Das Umfeld, wie Partner*innen, Familie, Kollegen*innen reagieren auf den Konsum und stabilisieren ihn oft ungewollt.
- Interaktionsmuster: Wir schauen uns an, wer im System welche Rolle spielt. Wer deckt den Konsum? Wer übernimmt die Verantwortung?
- Entlastung der Angehörigen: Systemische Suchtberatung ist oft auch Beratung für das Umfeld, um aus dem Teufelskreis von Kontrolle und Enttäuschung auszubrechen.
Ambivalenzberatung: Der innere Konflikt
Süchtiges Verhalten ist geprägt von einem massiven Hin-und Hergerissen-Sein. Ein Teil will aufhören, ein anderer Teil hat Angst vor der Leere danach.
- Motivierende Gesprächsführung: Wir arbeiten mit dieser Ambivalenz, anstatt sie weg zu drücken.
- Entscheidungsmanagement: Wir untersuchen die Vor- und Nachteile des Konsums versus die Vor- und Nachteile der Abstinenz und bilanzieren mit Ihnen.
Rückfallprävention als Lernprozess
Im systemischen Ansatz ist ein Rückfall keine Katastrophe oder ein Versagen, sondern eine wertvolle Information.
- Analyse von Risikosituationen: In welcher Konstellation wurde der Suchtdruck zu groß? Mit wem, wo, bei welchem Gefühl?
- Krisenplan: Wir erarbeiten konkrete "Notfallkoffer"-Strategien, die sofort greifen, wenn das Verlangen einsetzt.
Methodische Ansätze in der Suchtberatung
- Timeline: Wo und wann in der Biografie begann der Konsum und welche Krisen wurden damit bewältigt?
- Zirkuläres Fragen: "Was würde Ihre Partner*in tun, wenn Sie morgen den ersten Schritt in eine Selbsthilfegruppe wagen?"
- Ressourcen-Genogramm: Suche nach Vorfahren oder Vorbildern, die schwierige Lebensphasen erfolgreich gemeistert haben.
Der Weg in der Beratung
- Kontaktaufnahme und Entlastung: Druck rausnehmen, Scham abbauen.
- Zielklärung: Geht es um totale Abstinenz oder zunächst um Schadensminimierung? Sie bestimmen das Tempo!
- Stabilisierung: Aufbau von Alternativen zum Suchtmittel.
- Transfer: Sicherung der neuen Muster im Alltag.